Wissenschaftler nehmen Stellung: Ist es klug, Aliens auf uns aufmerksam zu machen?

Erst vor wenigen Wochen wurde eine Radiowellen-Botschaft in Richtung des Roten Zwerges GJ 273 gesendet, der an eine potenziell intelligente, außerirdische Zivilisation gerichtet war (wir berichteten). Doch genau solche Bestrebungen werden unter den Wissenschaftler kontrovers diskutiert, denn einige sehen darin auch große Risiken.

Verschiedene Organisationen wie SETI (Search for Extraterrestrial Intelligence) oder METI International (Messaging Extraterrestrial IntelligenceI) bemühen sich, Signale außerirdischer Zivilisationen zu lokalisieren bzw. selber Botschaften zu senden. Selbst die NASA hat 1972 zwei goldene Platten an Bord ihrer beiden interstellaren Raumsonden Pioneer 10 und Pioneer 11 angebracht, die Botschaften an Außerirdische enthalten und ihnen unsere Position im Universum offenbaren. Doch sollten wir tatsächlich aktiv werden und versuchen, Aliens zu kontaktieren? Unter den Wissenschaftlern gibt es kritische Stimmen hierzu, denn sie befürchten, dass wir auch an feindlich gesinnte Aliens geraten könnten, die durch unsere Botschaften auf uns aufmerksam werden und zur Erde kommen, um uns zu versklaven oder sich den Planeten anzueignen.

Der Business Insider hat drei Wissenschaftler gefragt, was sie davon halten.

Brian Greene, Mitbegründer des World Science Festivals und theoretischer Physiker an der Columbia University: „Ich denke, wir sollten alle schreien und jubeln. Schließen wir uns der Gemeinschaft des kosmischen Lebens an, wenn es da draußen etwas gibt.“

Jill Tarter, ehemalige Direktorin des Zentrums für SETI-Forschung: „Ich denke, es ist mit Sicherheit nicht die beste Idee. Ich denke, Übermittlungen (von Botschaften, Anm. F. Calvo) sollten nur als Ergebnis des Konsenses und nach einer Diskussion darüber erfolgen, ob wir das auch tun sollten. Aber es nicht allein das, denn wir uns dazu entschließen sollten, wer würde dann für die Erde sprechen und was sollte gesagt werden?“

Caleb Scharf, Autor von »The Zoomable Universe« und Direktor des Columbia Astrobiology Center in Columbia: „Es ist eine waghalsige Angelegenheit, weil man genauer darüber nachdenken muss, wie wir reagieren würden, wenn wir eine Meldung wie diese empfingen. Die Botschaft selbst ist vielleicht freundlich, voller Informationen und bittet um Kommunikation, doch es wäre auch unglaublich schädlich für uns als Spezies und als Zivilisation. Die Wahrheit ist, wir wissen nicht, ob das sehr riskant ist. Wir wissen es nicht.“

Und wie stehen die Chancen, tatsächlich Kontakt aufzu-nehmen?

Jill Tarter: „Es bringt nichts, wenn man, wie bisher geschehen, nur 33 Minuten lang eine Botschaft sendet und es nicht wiederholt. Denn das bedeutet, dass der Empfänger genau zum richtigen Zeitpunkt, während dieser 33 Minuten, und in die richtige Richtung Ausschau halten muss. Für mich scheint diese Strategie eine sehr begrenzte Erfolgsaussicht zu haben.“

Brian Greene: „Ich stimme durchaus mit Jill überein – die Wahrscheinlichkeit, dass die außerirdische Zivilisation genau im richtigen Moment zuhört, wenn ein 33-minütiges Signal vorbeizieht, ist ziemlich unwahrscheinlich. Es sei denn, sie haben ein fest zugeordnetes System, das den Himmel abtastet und nach Lebenszeichen sucht.“

Caleb Scharf: „Die Chance, einen uns verhältnismäßig nahe gelegenen Stern zu entdecken, der eine Zivilisation beherbergt, von der wir selber noch nichts empfangen haben und die zudem auch noch zum Entdecken dieser Botschaft fähig ist, erscheint doch sehr gering. Es ist eines von 200 Milliarden Sternen in unserer Galaxie. Also stellt man die Wahrscheinlichkeit in Frage, ob dieser ein Treffer ist.“

Werden wir alle durch eine feindliche Alien-Invasion sterben?

Caleb Scharf: „Auch wenn die Leute berechtigte Bedenken hegen und sich fragen, ob es vernünftig sei, unsere Existenz hier kundzugeben, denke ich, dass die Schlussfolgerung davon wäre, dass jede Zivilisation, die fähig ist, ein Signal zu empfangen, auch in der Lage wäre, derartiges zu tun und könnte sich tatsächlich dazu entscheiden, uns alle zu verspeisen. Allerdings würden solche Zivilisationen bereits wissen, dass es uns gibt.“

Jill Tarter: „Wenn sie in der Lage wären, zu uns zu kommen, dann sind sie in der Tat per Definition deutlich fortschrittlicher als wir heute auf der Erde. Möglicherweise haben sie auch einen Weg gefunden, ihren Planeten und ihre Zivilisation über lange Zeiträume hinweg nachhaltig zu aufrecht zu erhalten. Deshalb erscheint es mir, dass Aggressivität in diesem Fall wohl nicht ihr Hauptmerkmal sein wird.“

Brian Greene: „Es ist einfach zu unwahrscheinlich, als dass wir uns mit einem solchen Szenario beschäftigen müssten. Wir müssen mutig sein, wir müssen stark sein, wir müssen visionär sein, denn diese Eigenschaften haben über Jahrtausende hinweg das Beste von uns charakterisiert. Und genau diesen Eigenschaften müssen wir gestatten, auch für die Zukunft das Beste von uns zu charakterisieren.“

Was ist der nächste Schritt?

Jill Tarter: „Was ich mir erhoffe, ist, dass dies mehr Diskussionen auslöst. Ich würde gerne hören, was der Rest der Welt dazu zu sagen hat.“

Auch namhafte Wissenschaftler wie der theoretische Physiker Professor Stephen Hawking sowie die Astrophysiker Matthew Bailes und Dr. Frank Drake sind der Meinung, dass solche Signale an außerirdische Zivilisationen böse Konsequenzen für uns haben könnten (wir berichteten hier, hier, hier und hier).

© Fernando Calvo*, Foto: NASA

 

Nachrichtenquelle: https://terra-mystica.jimdo.com/ufos-au%C3%9Ferirdische/wissenschaftler-nehmen-stellung-ist-es-klug-aliens-auf-uns-aufmerksam-zu-machen/

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