Lotus schafft finanziellen Turnaround

Lange galt Lotus als unprofitabel, die reinste Geldvernichtungsmaschine. In übler Erinnerung sind gerade die Jahre zwischen 2009 und 2012, als der damalige CEO Dany Bahar das Traditionsunternehmen mit hochtrabenden Plänen (auf dem Pariser Salon 2010 zeigte man wie aus dem Nichts fünf neue Luxus-Modelle, die zwischen 2013 und 2015 auf den Markt kommen sollten) und sehr wenig Marken-Gespür beinahe in den Ruin trieb. Dann verkaufte der größte Anteilseigner Proton 2012 auch noch seine Anteile an den malaysischen Autobauer DRBHICOM, der kurz darauf den Geldhahn zudrehte. Zulieferer konnten nicht mehr bezahlt werden, die Bänder standen teilweise still. Trotz vernünftiger Auftragseingänge.

Das Lotus-Werk samt hauseigener Rennstecke im englischen Hethel. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen 850 Mitarbeiter

Zurück zu den Wurzeln
Eine radikale Wende musste her. Oder besser: eine Rückbesinnung auf die traditionellen Stärken der Marke. Sehr leichte, schnelle, puristische und spezielle Sportwagen für echte Enthusiasten bauen. Ergänzt allerdings um eine deutlich verbesserte Qualität und eine massive Senkung der Kosten. Diese Quadratur des Kreises vertraute man im Jahr 2014 dem neuen Lotus-Chef Jean-Marc Gales an. Und der Luxemburger scheint sehr gut verstanden zu haben, was Lotus ausmacht und wo die Schwächen der Marke lagen. Die Entwicklung komplett neuer Modelle wurde gestoppt, stattdessen versuchte man das, was man hatte, besser und attraktiver zu machen.

 

Zahlen der Hoffnung
In den vergangenen Jahren wurde das Lineup um die Modelle Elise, Exige und Evora sukzessive ausgebaut. Vor allem diverse hochfokussierte, begehrenswerte und sündteure Sondermodelle wie Exige Cup 380, Evora 400 Sport, Evora GT430 oder 3-Eleven dürften zuletzt ordentlich Geld in die Kassen gespült haben. Leichtbau und die totale Involvierung des Fahrers standen zuletzt stärker denn je im Fokus und diese Vorgehensweise scheint sich nun auszuzahlen. Auch die Ausweitung des globalen Händlernetzes von 138 Betrieben in 2014 auf aktuell 215 dürfte nicht ganz unwichtig gewesen sein. Im letzten Jahr konnte Lotus seine Verkäufe in Kontinental-Europa um 57 Prozent steigern. In Nordamerika gab es gar eine Versechsfachung des Absatzes. Der operative Gewinn stieg auf zwei Millionen Pfund (etwa 2,2 Millionen Euro). Im vorherigen Geschäftsjahr musste man noch einen Verlust von 16,3 Millionen Pfund (18 Millionen Euro) hinnehmen. Der Verlust vor Steuern lag gar bei 45,5 Millionen Euro, im abgelaufenen Geschäftsjahr waren es “nur noch” 12,4 Millionen. Für das Finanzjahr 2017/2018 rechnet man erstmals seit Jahrzehnten wieder mit einem vorsteuerlichen Gewinn.

Bestehende Modelle wie die Elise wurden sukzessive verbessert. Für 2020 steht eine komplett neue Elise-Generation an

Geely übernimmt
Diese Entwicklung erfreut natürlich auch den Boss: “Unsere enorm verbesserte Profitabilität und unser Anstieg bei den Einkünften bedeuten, dass Lotus nun zum ersten mal seit vielen Jahren ein sich selbst tragendes und zukunftsfähiges Unternehmen ist.” Und Gales ergänzt: ” Wir sind nun in der perfekten Position, die nächste Generation von Lotus Sportwagen zu entwickeln.” Dabei sollte auch helfen, dass die chinesische Zhejiang Geely Holding Group, zu der seit 2010 auch Volvo gehört, kürzlich die Mehrheit an Lotus übernommen hat.

 

Komplett neue Elise kommt 2020
Das nächste neue Modell dürfte eine Roadster-Version des Evora sein. Auch an einem etwas weniger radikalen Bruder des 3-Eleven, dem 4-Eleven, soll gerade gearbeitet werden. Das mit Abstand wichtigste Projekt ist die für 2020 vorgesehene, komplett neue Elise-Generation. Das angekündigte SUV-Programm scheint derzeit eher weiter unten in der Schublade zu stecken. Allerdings könnte eine Art Crossover nicht ganz unwichtig werden, wenn man die anvisierten Verkaufsziele erreichen will. Von zuletzt etwa 2.000 möchte man 2018 auf 2.500 verkaufte Autos pro Jahr klettern. 2020 sind dann 4.000 Fahrzeuge das Ziel.

 

Nachrichtenquelle: http://www.auto-news.de/auto/news/anzeige_Lotus-finanzielle-Wende-Modell-Zukunft_id_40573

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