“Kein Wolfsland” und eventuelle Strafanzeige gegen Ministerium

Aus Angst vor Vergeltung wollen Thüringer Jäger die sechs Jungen der Ohrdrufer Wölfin nicht erlegen. Der Abschuss der Jungtiere steht noch aus, wird aber vom Umweltministerium geplant. Dem steht wegen der Tiere vielleicht noch mehr Ärger ins Haus.

Der Landesjagdverband sieht sich nicht in der Lage, die sogenannten Wolfshybriden zu erlegen. “Kein Jäger wird sie töten und wenn der Auftrag vom Ministerpräsident persönlich käme”, sagte Vizepräsident Ludwig Gunstheimer bei einem Forum der CDU-Fraktion im Landtag. Der Präsident des Jagdverbandes, Steffen Liebig, sagte: “Ich kann keinem empfehlen, einen Wolf zu schießen, so lange die rechtlichen Grundlagen fehlen.” Zudem sei die Stimmung in der Bevölkerung so, dass bei einem Abschuss die Jäger als Mörder hingestellt würden. Im Internet kursieren bereits Petitionen, mit denen tausende Unterstützer gegen den Abschuss der Wölfe protestieren.

Laut Landesjagdverband gingen wegen des geplanten Abschusses der Wölfe bereits Morddrohungen gegen Jäger ein. “Soll ich vor diesem Hintergrund der Dödel sein, der das macht”, sagte Vize Gunstheimer. “Ich lass mir nicht das Haus anzünden, ich lass mir nicht die Autoreifen zerstechen.”

Bei dem Forum im Landtag äußerten Schäfer große Sorgen wegen der Wolfsübergriffe. Die Schäden beliefen sich nicht nur auf die getöteten Tiere. Vielmehr sei zu erwarten, dass Mutterschafe durch den massiven Stress bei Wolfsattacken weniger Lämmer als üblich bekämen. “Die Entschädigung wird das Land Millionen kosten”, sagte Schäfer Alf Schmidt. Er forderte eine pauschale Entschädigung von 30 Prozent für verlorene Lämmer.

Schmidt verwies zudem auf Risiken für Rinder- und Pferdehalter. Attackiere der Wolf deren Herden, gebe es keinen Versicherungsschutz, wenn die Tiere nicht so eingezäunt seien, dass der Wolf abgehalten werde. Artenschutz-Experte Martin Görner bezweifelte jedoch, dass die vom Umweltministerium verteilten Schutzzäune den Wolf abhalten könnten. “Natürlich springen Wölfe über Zäune bis 1,80 Meter Höhe. Spielend”, sagte er.

CDU-Fraktionschef Mike Mohring kündigte für den Fall einer Regierungsübernahme an, die Einstufung Thüringens als Wolfsgebiet angesichts möglicher hoher Entschädigungszahlungen zu überprüfen. Vize-Fraktionschef Egon Primas sagte: “Ich sehe Thüringen nicht als Wolfsland.” Der Freistaat sei zu klein dafür. Primas forderte, den strengen Schutz des Wolfes in Deutschland zu lockern. Es müsse möglich sein, das Raubtier zu jagen. In der Bevölkerung gebe es eine “wachsende Sorge vor dem Wolf”. Der Berliner Zoologe Hans-Dieter Pfannenstiel verwies darauf, dass der Wolf in Frankreich, Schweden oder dem Baltikum gejagt werde, ohne die Art zu gefährden.

Die Tierschutz-Organisation Peta prüfe eine Strafanzeige gegen die Verantwortlichen, sollten die Wolfshybriden getötet werden. erklärte ein Sprecher gegenüber der Thüringer Allgemeinen. Eine Warnung sei dem Ministerium zugegangen. Das bestätigte ein Sprecher und teilte mit, dass die Entscheidung über das Schicksal der sechs Mischlinge noch nicht gefallen sei.

Wir wollen nichts unversucht lassen. Deshalb haben wir noch keinen Antrag auf Abschuss gestellt», sagte Ministeriumssprecher Tom Wetzling in Erfurt. Eine «Entnahme» der Wolfshybriden aus der Natur, wie sie zum Erhalt der Art notwendig sei, heiße ja nicht zwingend Abschuss. Auch eine «Lebendentnahme» sei denkbar. Allerdings komme weiterhin eine Haltung im Gehege, die Experten als quälend für die Tiere bewerteten, nicht infrage.

Derzeit prüft das Ministerium nach eigener Darstellung unter anderem Überlegungen einer Tierärztin aus Brandenburg, die kleinen Wolfsmischlinge möglicherweise aufzunehmen. Auf Bildern von Fotofallen ist zu sehen, dass ein schwarzer Hund der Vater der Tiere gewesen sein könnte.

Die bisher einzige in Thüringen ansässige Wölfin bekam im Frühjahr sechs Junge. Es handelt sich nach Expertenmeinung um Mischlinge, sogenannte Hybriden, aus der Paarung mit einem Hund. Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) will die Jungtiere töten lassen, weil Wolfsmischlinge als gefährlich gelten und nicht artgerecht in Gehegen gehalten werden könnten. Seit die Wölfin Nachwuchs hat, attackiert sie Schaf- und Ziegenherden im Umfeld des ehemaligen Truppenübungsplatzes Ohrdruf. Bisher wurden 79 tote Tiere gezählt. Inzwischen gibt es eine heftige Debatte um den Wolf. Vor allem die oppositionelle CDU bündelt den Unmut von Schäfern und Jägern.

 

Nachrichtenquelle: https://www.insuedthueringen.de/region/thueringen/thuefwthuedeu/Kein-Wolfsland-und-eventuelle-Strafanzeige-gegen-Ministerium;art83467,5786704

Be the first to comment

Leave a comment

Your email address will not be published.


*


Unterstütze uns!

Abonnieren Sie uns!