Facebook, Twitter und YouTube schaffen gemeinsame Datenbank

Um effizienter gegen Terrorpropaganda vorzugehen, tun sich die drei Plattformen zusammen. Gelöschte Fotos und Videos werden mit digitalen Fingerabdrücken versehen.

 

Facebook habe den Wahlsieg Donald Trumps ermöglicht, hieß es kürzlich. Sogenannte Fake News hätten sich auf dem sozialen Netzwerk ungehindert ausbreiten und Stimmung für zumeist rechte Positionen machen können. Selbst Kanzlerin Angela Merkel (CDU) warnte vor den wie Nachrichten aussehenden Gerüchtemeldungen. Der Vorwurf ist nicht neu: Facebook gehe zu lasch mit gefährlichen Inhalten um, sagen Kritiker. Dabei könnten Fake News noch ein vergleichsweise harmloses Problem sein. Denn für die Terrormiliz “Islamischer Staat” (IS) ist die Plattform eine von mehreren, mit denen sie ihre Mitglieder rekrutiert.
Im November leitete deswegen die Staatsanwaltschaft München ein Ermittlungsverfahren gegen Facebooks Topmanager ein. Es geht um Mordaufrufe, Gewaltandrohungen, Holocaustleugnungen – und Gewaltdarstellung und Unterstützung terroristischer Vereinigungen, gegen die das soziale Netzwerk nicht konsequent genug vorgehe und dadurch deutsches Recht verletze. Die Anwälte werfen dem Konzern Beihilfe zur Volksverhetzung vor.

Facebook als Propagandainstrument? Gegen diesen Eindruck wehrt sich der Konzern. Er kündigte daher nun in einem Blogeintrag an, konsequenter gegen terroristische Propaganda vorzugehen. Man kooperiere mit Twitter und YouTube, hieß es darin. Gemeinsam mit Microsoft wolle man bereits gelöschte Fotos und Videos mit digitalen Fingerabdrücken versehen und sie in einer Datenbank untereinander austauschen. Dadurch müssten die Inhalte nicht mehr bei jedem Dienst aufs Neue gefunden werden, um gelöscht zu werden.

Komme etwas in die Datenbank, würde es aber nicht automatisch auf allen Plattformen gelöscht. Stattdessen prüfe jedes teilnehmende Netzwerk, ob der Inhalt gegen die eigenen Richtlinien verstoße. Daten, die Nutzer persönlich identifizierbar machen, würden nicht geteilt, hieß es von Facebook. Die vereinbarte Kooperation sei zudem für andere Teilnehmer offen.
Die Politik setzt Facebook unter Druck

Allerdings ist unklar, wie erfolgreich die Strategie ist. Denn Urheber von problematischen Fotos oder Videos ändern häufig das Ausgangsmaterial, wenn es einmal markiert worden ist, und umgehen dadurch die Sperre. YouTube kennt das Problem etwa aus dem Kampf gegen das Hochladen urheberrechtlich geschützter Videos. Facebook machte zunächst keine Angaben dazu, inwiefern das System der digitalen Fingerabdrücke gegen dieses Problem geschützt ist.

Facebooks Ankündigung ist auch eine Reaktion auf politischen Druck. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte vor einigen Monaten das Berliner Büro von Facebook besucht. Seine Forderung: Das Netzwerk soll sich mehr um Terrorbekämpfung bemühen und seine Nutzer gegebenenfalls stärker überwachen. Im Gespräch war damals unter anderem ein Uploadfilter gewesen, durch den illegale Inhalte schon beim Posten auf Facebook unterbunden werden könnten. Allerdings gibt es Probleme mit diesem Ansatz. Kritiker warnen beispielsweise vor einer “unkontrollierbaren Zensurinfrastruktur” und davor, dass sich die Unternehmen quasi selbst zum Richter über legale oder illegale Inhalte machen würden.
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