Eine Harpune könnte alte Satelliten vom Himmel holen

Airbus hat eine Art Harpune entwickelt, mit der man die stetig anwachsende Menge an Weltraumschrott im Erdorbit reduzieren könnte.
Man schätzt, dass sich zur Zeit über 600.000 künstliche Objekte mit einem Durchmesser von mehr als einem Zentimeter und einem Gesamtgewicht von 700.000 Tonnen in Umlaufbahnen um die Erde befinden – und ständig kommen neue Trümmer hinzu. Und … die Zahl steigt kontinuierlich! Auf der Webseite Stuff in Space (Deutsch: Kram im Weltraum) kann man in Echtzeit und tagesaktuell einsehen, wie viele künstliche Objekte mit einer Größe über 10 Zentimeter sich aktuell in der Erdumlaufbahn befinden und wo ihre exakte Position ist – natürlich mit Ausnahme streng geheimer Militärsatelliten. Die Daten stammen von dem Orbital Debris Program Office der NASA.
Diese Gegenstände sind hauptsächlich ausgediente Satelliten, verbrauchte Raketenstufen, Schrauben, Bolzen sowie andere künstliche Objekte und immer wieder warnen Wissenschaftler vor der Gefahr, die von diesem Weltraumschrott ausgeht. Sie weisen darauf hin, dass selbst die allerkleinsten Teilchen zur großen Gefahr werden und sich genauso zerstörerisch erweisen könnten, wie die großen Stücke. Denn wenn auch einige Trümmerteile nur so groß wie ein Reiskorn sind, entfalten sie durch die aufkommenden Geschwindigkeiten enorme kinetische Energien, die beim Zusammenstoß mit einem Satelliten oder Raumfahrzeug katastrophale Folgen hätten. Und auch die Internationale Raumstation »ISS« musste schon bereits einige Male Ausweichmanöver fliegen, weil ihr die Trümmer gefährlich nahe kamen. Im März 2012 hatte die Besatzung jedoch keine Zeit mehr dazu, da die Vorwarnzeit zu knapp ausgefallen war. Ihr blieb nur noch die Flucht in eine angedockte Raumkapsel, um dort Schutz zu suchen und zu beten.
Um das Problem zu lösen, bevor es zu spät ist, hat Airbus jetzt ein neues Harpunensystem entwickelt, das darauf ausgelegt ist, an die Satelliten »anzudocken« und sie aus dem Orbit zu ziehen. Die Harpune, die auf einem kleinen Abfangjäger-Raumschiff montiert wird, wurde eigentlich mit dem Ziel entwickelt, den defekten und deaktivierten 8 Tonnen schwere Envisat-Erdbeobachtungssatellit der ESA aus dem Verkehr zu ziehen, der seit 2012 funktionslos im Erdorbit ruht und eine latente Gefahr darstellt. Denn eine Kollision von Envisat mit einem Objekt mit mehr als 10 kg Gewicht könnte eine sehr große Trümmerwolke erzeugen, die eine selbsttragende Kettenreaktion von Kollisionen und Fragmentierung auslösen könnte.
„Wenn wir eine Harpune entwerfen können, die mit Envisat zurechtkommt, dann sollte sie auch mit allen anderen Arten von Raumfahrzeugen fertig werden können, einschließlich der vielen Raketenstufen, die im Orbit treiben”, sagte Alastair Wayman, einer der Ingenieure, die an dem Projekt arbeiten, gegenüber BBC News. Dabei ist besonders wichtig, dass die Harpune in der Lage ist, sich erfolgreich in die 3 cm dicken, zusammengesetzten Wabenplatten einzuklinken, die beim Satellitenbau einsetzt. „Die Harpune geht durch diese Platten wie ein heißes Messer durch Butter”, sagte Wayman. „Sie hat eine Reihe von Widerhaken, die sich öffnen, sobald die Spitze drin steckt und die Harpune daran hindern, wieder herauszutreten. Wir würden den Satelliten dann mit einer an seinem anderen Ende befestigten Leine »herausfischen«.”

© Fernando Calvo*, Foto: US Air Force
Nachrichtenquelle: https://terra-mystica.jimdo.com/astronomie-raumfahrt/eine-harpune-k%C3%B6nnte-alte-satelliten-vom-himmel-holen/

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