Braune Vergangenheit der Trauminsel: Wie sich Hitlers Nazis auf Mallorca breitmachten

Mallorca ist die Lieblingsinsel der Deutschen. Schon zu Kaisers Zeiten zog es Deutsche auf das sonnige Eiland im Mittelmeer. Tausende Residenten lebten hier. Später strandeten Flüchtlinge aus dem Dritten Reich auf Mallorca.

Am 15. September flogen sechs „Heinkel He“-Maschinen der berüchtigten deutschen Fliegerstaffel „Legion Condor“ einen Angriff auf die spanische Großstadt Barcelona und beschädigten einen Gasometer. Einen Tag später folgte ein Bombardement auf den Hafen von Valencia. In der Nacht vom 9. auf den 10. März 1938 griffen sie drei Güterzüge bei Torreblanca an und erzielten „schwere Verwüstungen“, wie es in einem internen Dokument hieß.

In Spanien tobte seit 1936 der Bürgerkrieg zwischen den aufständischen Truppen um den faschistischen General Franco und den Anhängern der Republik. Beide Seiten erhielten internationale Unterstützung – die Rechten von Hitler-Deutschland und Mussolinis Italien, die Linken von zahlreichen Sozialisten und Kommunisten aus verschiedenen Ländern ebenso wie von der sowjetischen Regierung.

Was kaum jemand weiß: Die Bomber der berüchtigten Legion Condor starteten von der Insel Mallorca aus, die vom Beginn des Bürgerkrieges im Juli 1936 fest in der Hand der Rechten war. Ein Versuch der Republikaner, die Insel zu befreien, war im September desselben Jahres gescheitert – vor allem mit Unterstützung aus Italien. Weil Francos Truppen sich rasch durchsetzten, blieben Mallorca immerhin lange, verlustreiche Kämpfe wie in anderen Gegenden Spaniens erspart.
Die berüchtigte „Legion Condor“ flog Angriffe von Mallorca aus

Aufgrund der Ruhe war die Insel ein geeigneter Startpunkt für Luftangriffe. In Pollenca im Norden der Insel war 1935 ein Fliegerhorst eingerichtet worden, den die deutschen Flieger nun nutzten, um auf der Seite der Faschisten in den Krieg einzugreifen. Pollenca ist heute ein beliebter Ferienort gerade für Urlauber aus Deutschland.

Aber wohl niemand kennt das dunkle Geheimnis dieses Ortes, dass nämlich von hier aus Tod und Zerstörung auf Spaniens Festland verbreitet wurden – durch deutsche Bomber. Die Angriffe auf Barcelona, Valencia und Torreblanca sind nur ein geringer Ausschnitt aus der Liste der Attacken auf den republikanischen Feind. Ihren berühmtesten Angriff auf das Städtchen Guernica, dessen völlige Zerstörung Picasso mit seinem gleichnamigen Gemälde festhielt, flogen sie nicht von hier aus.
Tagsüber Sonnenbäder, nachts Bombenangriffe

Für die hier stationierten deutschen Soldaten hatte das Leben etwas Schizophrenes: Während sie tagsüber am Strand lagen, die Sonne genossen oder Fitnessübungen machten, flogen sie nachts Richtung Spaniens Festland und warfen ihre Bomben ab. Unter der Sonne Mallorcas konnte man schon mal vergessen, dass ein brutaler Bürgerkrieg tobte.

Doch regelmäßig warf der Krieg auch Schatten auf die Sonneninsel. Immerhin hatte die Deutschen 13 abgeschossene Piloten zu beklagen. Ein Gedenkstein für diese Männer wurde erst vor wenigen Jahren abgebaut. Er ruht nun im Museumsdepot, weil bislang keine Einigung erzielt werden konnte, was damit geschehen soll.
Schon in den dreißiger Jahren gab es eine deutsche Kolonie auf Mallorca

Deutsche gab es auf der Insel schon lange bevor die Legion Condor hier stationiert wurde oder die ersten Nazis auf der Bildfläche auftauchten. Dabei handelte es sich vorwiegend um Residenten, also Menschen, die hier regelmäßig lebten. Allein in der Inselhauptstadt Palma waren 3000 Deutsche gemeldet, das waren kaum weniger als heute. Inselweit waren es Ende 1932 gut 9000. Das Leben war hier äußerst billig und unkompliziert, die Sonne schien fast immer.

Es gab schon damals eine gewisse Infrastruktur, zum Beispiel deutsche Zeitungen. Zugereiste Deutsche heirateten sich auf der Insel ein und zogen Kinder groß oder gründeten Geschäfte und Unternehmen. Auch Urlauber aus Deutschland fanden sich hin und wieder ein, aber der Massentourismus war noch nicht erfunden. So gab es an den herrlichen Stränden der Insel nur hier und da ein paar Hotels oder bescheidene Ferienunterkünfte.

Nichts schien die sonnige Idylle trüben zu können. Doch dann brach der spanische Bürgerkrieg wie ein Wintersturm auf die Insel ein. Und wie überall, wo Deutsche im Ausland lebten, wollten die Nazis auch auf Mallorca ihren Einfluss durchzusetzen. Sie versuchten, ihre Strukturen wie daheim im Dritten Reich aufzubauen.

Kaum war Hitler in Berlin an die Macht gekommen, da begannen auch schon die Auseinandersetzungen zwischen seinen Anhängern und seinen Gegnern. Eine Ortsgruppe der NSDAP war sogar bereits im Juli 1932 gegründet worden. Übrigens stritten sich die Nazis auch untereinander und schwärzten sich gegenseitig in Berlin an. Es ging um Einfluss, Macht und persönliche Animositäten.
Hitlers langer Arm reichte bis nach Mallorca

Nachzulesen ist das in dem mit vielen Details gespickten Buch des Journalisten Alexander Sepasgosarian „Mallorca unterm Hakenkreuz 1933 bis 1945″. Der Autor, stellvertretender Chefredakteur des „Mallorca Magazins“, erzählt darin von den Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Fraktionen ebenso wie von menschlichen Schicksalen. Denn die Insel wurde auch zum Zufluchtsort für Flüchtlinge aus dem Dritten Reich. Doch Hitlers langer Arm reichte bis nach Mallorca.

Als Franco sich im Bürgerkrieg durchgesetzt hatte, wurden die Flüchtlinge aus dem Dritten Reich auf Drängen der Nazis verfolgt und ausgewiesen. Einigen gelang die Flucht in die USA oder Südamerika, andere mussten zurück nach Deutschland. Der Autor beschreibt einige tragische menschliche Schicksale. Für seine Darstellung hat er jahrelang nach Nachkommen oder Zeitzeugen geforscht.

Sepasgosarian hat ein interessantes Buch für Mallorca-Fans geschrieben, die sich für das Leben und die Geschichte der Insel interessieren. Es geht bei weitem nicht nur um Mallorcas Nazi-Geschichte. Auch wer sich für die Vergangenheit der Deutschen jenseits von Hitler interessiert, wird in dem Buch gut bedient und sieht sich beispielsweise Palma einmal mit anderen Augen an, wenn er durch die Altstadt schlendert.
Kaum noch Spuren der Vergangenheit

Beim Lesen des Buches wird einem aber eben auch klar, dass sich an manchen Stränden und Orten, an denen sich heute die Touristen tummeln, im Bürgerkrieg grausame Dinge ereigneten oder dass die Nazis nicht einmal hier ihre Gegner in Ruhe ließen. Wer kann sich schon vorstellen, dass das beliebte Hafenstädtchen Porto Christo im Krieg völlig zerstört und zusammengeschossen wurde? Spuren dieser Vergangenheit finden sich heute kaum noch.

 

Nachrichtenquelle: http://www.focus.de/wissen/mensch/geschichte/auf-pollenca-stationiert-die-braune-vergangenheit-der-trauminsel-wie-die-nazis-sich-auf-mallorca-breitmachten_id_7722904.html

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