Adolf Seefeld tötete mit Hypnose: „Onkel Tick Tack” ermordete mindestens zwölf Jungen

Viel ist nicht bekannt über die Taten von Adolf Seefeld. Er soll zwischen 1933 und 1935 mindestens zwölf Jungen ermordet haben. Vielleicht waren es auch seit 1893 bis zu 30. Aber wie er seine Opfer ermordet hat und warum – das wurde nie wirklich aufgeklärt. Trotzdem starb er unter dem Fallbeil.
In der Gegend zwischen Schwerin und Rostock waren viele Eltern von kleinen Jungen sehr beunruhigt in diesem Winter 1935. Binnen fünf Wochen waren zwei Knaben im Alter von zehn und elf Jahren in der Gegend ermordet worden. Ein weiterer Gleichaltriger war verschwunden – er wurde wenige Monate später ebenfalls tot aufgefunden. Die anderen beiden wurden schon kurz nach der vermutlichen Mordtat gefunden.
Alle drei hatten zwei Dinge gemeinsam: Alle trugen die damals sehr beliebten Matrosenanzüge und alle wurden in Waldgebieten gefunden – auf dem Boden liegend, als würden sie friedlich schlafen. Keiner wies irgendwelche Merkmale von Gewalt auf. Und doch war die Polizei sich sicher, dass sie Opfer eines Mörders geworden waren. Nur Hinweise auf den Täter fehlten.
Ähnliche Fälle in den Polizeiakten entdeckt
Als die ermittelnden Schweriner Kripobeamten sich Hilfe von den Kollegen aus Berlin holten – die Berliner Kriminalpolizei galt zu der Zeit als die modernste weltweit – nahmen die Ermittlungen an Fahrt auf. Denn die Berliner konnten berichten, dass es in der Umgebung der Hauptstadt in jüngerer Zeit ähnliche Fälle gegeben hatte.
Daraufhin überprüfte auch die Polizei in der Gegend ihre Akten – und siehe da: es fanden sich an mehreren Orten in Mecklenburg und Brandenburg sowie Ostholstein insgesamt neun weitere Fälle mit exakt dem gleichen Muster. Immer trugen die Jungs zum Zeitpunkt ihres Todes Matrosenanzüge und immer lagen sie friedlich in einem Wald auf dem Boden.
Die meisten Fälle wurden zunächst gar nicht als Mord erkannt
Die meisten dieser Fälle hatten die Behörden als Unglücksfälle abgeheftet, denn keiner der toten Jungen wies irgendwelche Anzeichen auf, dass ihm Gewalt angetan worden war. Und doch waren die vereinten Berliner und Schweriner Polizeikräfte sich nun sicher, dass es sich um eine grausame Mordserie handelte.
Nur: Es fehlte zunächst jede Spur zu einem möglichen Täter; und ein Tatmotiv war auch nicht zu erkennen. Im März nahm die Polizei einen Handlungsreisenden als Tatverdächtigen fest. Der 40-Jährige war allerdings unschuldig, wie sich bald herausstellte. Doch für ihn kam diese Erkenntnis zu spät – er brachte sich um, weil er mit dem Vorwurf, zahlreiche Jungen umgebracht zu haben, nicht leben konnte.
„Onkel Tick Tack“ geriet ins Visier der Polizei
Zeugen an zwei verschieden Orten sagten aber aus, sie hätten zwei der Jungen mit einem älteren Mann, der einen Hut mit breiter Krempe getragen habe, gesehen, kurz bevor sie tot aufgefunden worden waren. Diese Meldung wurde an alle Polizeidienststellen zwischen Elbe und Ostsee weitergegeben. Ein Polizist aus dem kleinen Örtchen Grabow, der die Meldung las, erinnerte sich, etwa zwei Jahre zuvor einen Mann gesehen zu haben, der mit zwei Jungen in den Wald gehen wollte. Er habe ihn daran gehindert, aber nichts weiter unternommen, da ja nichts passiert sei und der Mann eigentlich harmlos gewirkt habe, gab der Polizeibeamte an.
Die Beschreibung passte ziemlich genau auf einen Mann, den in der Umgebung viele kannten: Alfred Seefeld. Er reiste als Uhrmacher durch die Gegend, galt als kauzig, aber ganz nett, hatte den Spitznamen „Onkel Tick Tack“ und kam zu vielen Bewohnern in die Wohnung, um sein Handwerk zu erledigen. Nun hatte die Polizei einen neuen Tatverdächtigen. Bald schon hatte sie herausgefunden, wo er sich gerade aufhielt. Als Seefeld bei einem Bauern, bei dem er gerade eine Uhr reparierte, verhaftet wurde, leistete er keinerlei Widerstand.
Der Hauptverdächtige hatte eine kriminelle Vorgeschichte
Allerdings bestritt er, irgendetwas mit dem Tod all der Jungen zu tun zu haben. Schnell stellte sich jedoch durch Recherchen der Polizei heraus, dass Adolf Seefeld absolut kein unbeschriebenes Blatt war. Geboren 1870 in Potsdam hatte er nie so richtig einen Fuß auf den Boden bekommen. Der Vater Alkoholiker, die Mutter ein lockeres Gemüt, was Männer betraf, wuchs Adolf ohne jede Liebe und Zuneigung auf. Im Alter von zwölf Jahren wurde er von zwei Männern sexuell missbraucht.
Insgesamt saß er 23 Jahre lang in Gefängnissen, Zuchthäusern oder auch Heilanstalten. Der Grund war stets sexueller Missbrauch von Jungen zwischen vier und zwölf Jahren. In die Heilanstalten war er vom Gefängnis verlegt worden, weil er sich merkwürdig verhalten hatte. So hatte er beispielsweise mit seinem eigenen Kot gespielt. Wenn er nicht einsaß, war er zumeist ohne festen Wohnsitz.
Wie brachte Seefeld die Opfer um?
Lagen also zwölf Sexualdelikte vor? Die Polizei ging davon aus, aber es blieb ein Rätsel: Denn nicht nur wies keines der Opfer Merkmale einer Gewaltanwendung auf, es fehlte auch jedes Anzeichen sexuellen Missbrauchs. Die Frage war: Wie hatte Onkel Tick Tack seine Oper eigentlich umgebracht?
Die Theorien reichten von Erwürgen bis zu Hypnose. So fantastisch das auch klingen mag, diese letzte Variante gilt heute als eine der wahrscheinlichsten. Denn Adolf Seefeld hatte sich vor der Polizei gerühmt, Kenntnisse in Hypnose zu haben. Als er sie vorführen sollte, gelang es ihm angeblich tatsächlich, eine Maus in Schlaf zu versetzen. Ein Hund dagegen soll unbeeindruckt von seinen Versuchen geblieben sein. Nach der Hypnose-Theorie könnte sich Seefeld, der deshalb auch als der „Sandmann“ bezeichnet wurde, an den Jungen oral vergangen haben. Anschließend hätte er sie nicht wieder aufgeweckt, so dass die Jungen schließlich erfroren seien.
Ein umstrittenes Geständnis
Aber das blieb nur eine mögliche, nicht bewiesene Theorie. Tatsächlich sollten die Umstände für den Tod der Jungen nie aufgeklärt werden. Trotzdem wurde Seefeld vom Schwurgericht Schwerin Ende Februar 1936 zum Tode verurteilt und am 23. Mai desselben Jahres hingerichtet. Nach dem Prozess gestand er dann doch die Morde.
Allerdings knüpfte sich nun die Geheime Staatspolizei, kurz Gestapo, den schon zum Tode Verurteilten vor. Und die war bekanntlich nicht zimperlich und nahm keinerlei Rücksicht auf irgendwelche rechtsstaatlichen Grundsätze. So gestand er nicht nur die zwölf Morde, sondern unter Folter auch, insgesamt mindestens dreißig Jungen im Zeitraum seit 1893 getötet und mindestens 100 missbraucht zu haben. Was dieses erzwungene Geständnis wert ist, ist nicht auszumachen, aber dass die Zahl von Seefelds Opfer deutlich höher ist, als die zwölf, für die er verurteilt wurde, ist gut möglich. Am Ende bleibt festzuhalten, dass Adolf Seefeld und seine Taten ein Mysterium bleiben.

Nachrichtenquelle: https://www.focus.de/wissen/mensch/adolf-seefeld-onkel-tick-tack-brachte-mindestens-zwoelf-jungen-um_id_9131769.html

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